Dirk Wasmuth, Hauptgeschäftsführer kölnmetall: „Die Stimmung ist gedämpft und die Aussichten sind trübe.“
Köln. „Schlimmer geht (fast) nimmer“ – ein Eindruck, der sich in der Metall- und Elektroindustrie Jahr für Jahr aufs Neue bestätigt. Auch zum Jahreswechsel 2025/26 hat sich die Lage im Vergleich zum ohnehin schon düsteren Vorjahr noch einmal deutlich verschärft. Die aktuelle Konjunkturumfrage unter kölnmetall-Mitgliedsunternehmen zeichnet ein alarmierendes Bild: Aufträge, Erträge und Investitionen bleiben auf Tiefstand, die Stimmung in den Betrieben ist so pessimistisch wie lange nicht mehr.
„Die Ergebnisse der Befragung spiegeln die Eindrücke wider, die ich in zahlreichen Gesprächen mit den Unternehmen gewonnen habe“, erklärt Dirk Wasmuth, Hauptgeschäftsführer kölnmetall. „Die Stimmung ist gedämpft und die Aussichten sind trübe.“
Nur noch sechs Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, fast zwei Drittel zeigen sich unzufrieden. Besonders belastend bleibt die Auftragslage: Drei Viertel der Unternehmen bezeichnen die Inlandsnachfrage als schlecht, auch die Nachfrage aus dem Ausland hat sich deutlich eingetrübt. Auch die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend negativ beurteilt, Aufträge – insbesondere aus dem Inland – bleiben schwach, und auch die Ertragslage steht unter starkem Druck. Zwar zeigt sich bei den Erwartungen für das kommende Halbjahr eine leichte Stabilisierung, diese ist jedoch vor allem Ausdruck eines sehr niedrigen Ausgangsniveaus und noch kein echter Aufschwung.
Die Unsicherheit spiegelt sich klar in Beschäftigung, Ausbildung und Investitionen wider: Personalabbau, zunehmende Kurzarbeit und eine anhaltende Investitionszurückhaltung im Inland prägen das Bild. Während die Investitionspläne im Ausland vergleichsweise stabil bleiben, sendet die Zurückhaltung am Standort Deutschland ein alarmierendes Signal für die regionale Industrie.
Leichte Hoffnung – aber auf sehr niedrigem Niveau
Bei den Erwartungen für das erste Halbjahr 2026 zeichnet sich zwar eine gewisse Beruhigung ab, doch auch diese ist vor allem Ausdruck eines extrem niedrigen Ausgangsniveaus. „Dass weniger Unternehmen mit einer weiteren Verschlechterung rechnen, ist noch kein Aufbruch, sondern eher ein Zeichen dafür, dass es kaum noch schlimmer kommen kann“, so Wasmuth. Die große Mehrheit der Betriebe erwartet Stagnation – echte Wachstumsimpulse fehlen.
Investitionsfähigkeit schwindet
Besonders alarmierend ist die anhaltende Investitionszurückhaltung im Inland. Jeder zweite Betrieb plant, seine Investitionen in Deutschland weiter zu reduzieren. Im Ausland zeigen sich die Unternehmen dagegen deutlich investitionsfreudiger. „Investitionen tätigt man nur, wenn man davon überzeugt ist, dass sie sich lohnen. Voraussetzung dafür sind verlässliche und attraktive Rahmenbedingungen – genau dieses Vertrauen fehlt derzeit“, betont Dirk Wasmuth.
Dabei möchte er die Hoffnung auf eine verbesserte Investitionsbereitschaft nicht aufgeben: „Bei allen Widrigkeiten gibt es nach wie vor gute Argumente für Investitionen am Standort Deutschland: hoch qualifizierte Beschäftigte, engagierte Unternehmen und eine in der Regel funktionierende Sozialpartnerschaft. Aber am Ende des Tages muss sich Produktion hierzulande auch rechnen.“
Ein zentraler Belastungsfaktor bleiben die hohen Arbeits- und Lohnstückkosten. Mit durchschnittlich 53,76 Euro pro Arbeitsstunde liegt Deutschland deutlich über vielen internationalen Wettbewerbern. Bei den Lohnstückkosten ist Deutschland im Schnitt rund 20 Prozent teurer als vergleichbare Industriestandorte.
„Es führt kein Weg daran vorbei: Die Kosten in Deutschland müssen sinken“, erklärt Wasmuth. „Das ist zuvorderst Aufgabe der Politik – sie muss aber durch kluge tarifpolitische Entscheidungen unterstützt werden.“
Die schwache Nachfrage schlägt unmittelbar auf die Ertragslage durch. Der Anteil der Unternehmen mit schlechter Ertragslage ist weiter gestiegen, gleichzeitig sinkt die Zahl der Betriebe mit positiven Ergebnissen. „Unternehmen müssen Gewinne machen. Wenn Gewinne wegbrechen oder ganz ausbleiben, fehlen die Mittel für dringend notwendige Investitionen“, so Wasmuth.
Beschäftigung und Ausbildung geraten weiter unter Druck
Die anhaltende Unsicherheit wirkt sich zunehmend auf Beschäftigung und Ausbildung aus. Personalabbau, Kurzarbeit und Zurückhaltung bei Neueinstellungen prägen das Bild. Gleichzeitig planen viele Betriebe, ihr Ausbildungsplatzangebot zu reduzieren.
„Dass jeder vierte Betrieb Ausbildungsplätze abbauen will, ist ein Warnsignal für die Fachkräftesicherung“, mahnt der kölnmetall-Hauptgeschäftsführer.
Angesichts der längsten Wirtschafts- und Industriekrise seit Gründung der Bundesrepublik fordert er einen grundlegenden Kurswechsel in der Politik. „Verdrängen hilft nicht mehr. Wir brauchen einen Mentalitätswandel, mehr Veränderungsbereitschaft und den klaren Willen, wieder wettbewerbsfähig zu werden.“
Wasmuth abschließend: „Niemand hat von der neuen Regierung im ersten halben Jahr ein zweites Wirtschaftswunder erwartet. So realistisch müssen wir sein. Aber es wurde nicht geschafft, die Stimmung in den Unternehmen zu verbessern, Optimismus zu verbreiten oder den Glauben an eine Verbesserung der Situation zu stärken. Erst wenn wir unsere Region und unser Land wieder zum Investitionsstandort machen, entstehen auch neue Produkte, Geschäftsmodelle und vor allem zukunftssichere Arbeitsplätze. Machen wir Deutschland wieder stark – als Industrie- und Beschäftigungsstandort.“